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Kategorie: Sport

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Paddelunglück mit tödlichem Ausgang

In den Niederlanden ist gestern (Do, 21.07.2022) eine deutsche Familie bei einer Kanutour über das Veluwemeer verunglückt. Aktuell werden der Vater und eine der beiden Töchter noch vermisst, die Mutter ist verstorben. Es ist leider anzunehmen, das weder der Vater noch die zweite Tochter überlebt haben (Edit: Inzwischen gibt es die traurige Gewissheit, das beide verstorben sind). Eine echte Tragödie.

Da ich selbst gerne paddle, ist mir das Veluwemeer durchaus ein Begriff, bei unserem letzten Urlaub im April in den Niederlanden (genauer in Holland bei Amsterdam) haben wir zwar auf Boote verzichtet, vor allem aber weil starker Sturm mit Orkanböen angesagt war. Die Vorhersage ist auch eingetreten. Also kein Paddelwetter.

Veluwemeer ist eigentlich Empfehlung für Paddler

Man findet viele Empfehlungen für eine Paddeltour auf dem Veluwemeer etwa auf der Europarcs Seite (ein wahres Paradies für Wassersportler), oder in der Liste der besten Kanutouren in Gelderland, wo es zwar als Long Hard Paddel beschrieben, der Schwierigkeitsgrad aber mit Leicht angegeben. Auch auf der Seite Das andere Holland wird das Veluwemeer aufgeführt unter dem Untertitel ‚Wassersportparadies‘. Es wird aber nicht explizit vom Paddeln gesprochen.

Veluwemeer – Wikimedia Commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:De_Krooneend.jpg)

Was verursachte den tödlichen Verlauf?

Nach den aktuellen Meldungen ist es unklar, was genau passiert ist. Ich habe zwar keine weiteren Informationen, kann aber ein paar Punkte ausschließen. Zum Unglückszeitpunkt gab es kein Unwetter. Es gab also weder starken Wind, noch Gewitter. Eigentlich gute Bedingungen zum Paddeln. Trotzdem muss man so nah an der Nordsee mit spürbarem Wind rechnen und ein Kanu/Kanadier ist recht empfindlich für Seitenwind. Auf dem Veluwemeer fahren auch schnellere Boote die auch Wellengang verursachen. Ob es der Wind war, ein vielleicht zu dicht vorbeifahrendes schnelleres Boot, eine Kombination aus beidem oder auch etwas anderes, das Kanu der Familie ist jedenfalls gekentert.

Aus der niederländische Presse geht hervor, dass das Veluwemeer nur in der Fahrrinne so tief ist, dass man nicht stehen kann (kann ich aber nicht prüfen), und auch das die Strömung sehr gering ist. Nur mit der geringen Strömung sind Rundtouren möglich. Die Wassertemperatur sollte jetzt bei 19-21 Grad liegen. Die Breite ist auch weniger als 3 km, zum Ufer können es also nicht mehr als 1,5 km gewesen sein. Für ungeübte Schwimmer kann das aber bereits zu weit sein. Das Eltern nach einer Kenterung sich zuerst um ihre Kinder kümmern und nicht den direkten Weg zum Ufer schwimmen ist auch sehr wahrscheinlich.

Ebenfalls der niederländischen Presse zu entnehmen ist dass die Familie keine Schwimmwesten (oder Schwimmhilfen) getragen hat. Ich vermute auch mal keine Wasserkleidung. Das kann bei Erschöpfung dazu führen, das man sich nicht mehr über Wasser halten kann, die Abkühlung vom Wasser trägt auch zu einer schnelleren Erschöpfung bei.

Meine Gedanken

Es bleibt zwar unklar, was das Unglück, bzw. die Kenterung ausgelöst hat, aber mit Schwimmwesten und Kleidung passend zum Wasser und den Wassertemperaturen wäre vermutlich ein tödlicher Ausgang zu vermeiden gewesen. Nicht umsonst gibt der DKV (und andere Paddelverbände) als Regeln aus

  • Kleidung passend zum Wasser und nicht zum Wetter anziehen (also ganz sicher keine Baumwolle wie Jeans)
  • Niemals ohne Schwimmweste/Schwimmhilfe paddeln (also auch nicht im Sommer!)
  • Am besten nicht in einem einzigen Boot unterwegs sein

Ich habe auch schon mehr als einmal erlebt, dass Verleiher ihren Kunden/Gästen nahelegen, dass Schwimmwesten mind. für Erwachsene nicht erforderlich sind, manchmal auch dass Schwimmwesten für die geplante Tour sowieso nicht sinnvoll sind, weil noch nie etwas passiert ist.

Tragt trotzdem eine Schwimmweste, auch wenn keine Probleme erwartet werden! Wir schnallen uns im Auto auch an und haben einen Airbag, ohne dass jemand erwartet einen Unfall zu haben.

Links zu Nachrichtenmeldungen

https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_92366876/niederlande-kanufahrt-einer-deutschen-familie-endet-tragisch.html

https://www.nu.nl/binnenland/6213646/zoektocht-naar-vermiste-duitse-vader-en-dochter-in-veluwemeer-wordt-hervat.html

https://www.ad.nl/binnenland/moeder-duits-gezin-verdronken-op-veluwemeer-zoektocht-naar-vader-en-dochter-5-gaat-verder~ad802ee9/?referrer=https%3A%2F%2Fmyprivacy.dpgmedia.nl%2Fconsent%3FsiteKey%3DV9f6VUvlHxq9wKIN%26callbackUrl%3Dhttps%253A%252F%252Fwww.ad.nl%252Fprivacy-gate%252Faccept-tcf2%253FredirectUri%253D%25252Fbinnenland%25252Fmoeder-duits-gezin-verdronken-op-veluwemeer-zoektocht-naar-vader-en-dochter-5-gaat-verder%7Ead802ee9%25252F

Fahrradfreundliche Stadt Moers

Man kann nicht umhin, an vielen Ortschildern von Moers auch das Hinweisschild ‚Fahrradfreundliche Kommune NRW‘ zu sehen. Da mir immer wieder verbesserungswürdige Punkte auffallen (ich werde ein paar demnächst hier konkret beschreiben), habe ich versucht herauszufinden, was das eigentlich bedeutet. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann nur, dass Moers Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft für fußgänger- und fahrradfreundliche Städte (AGFS) ist (https://www.moers.de/de/wirtschaft/radfahren-in-moers/). Auch auf der Seite der AGFS ist Moers als Mitglied aufgeführt (https://www.agfs-nrw.de/agfs-partner/unsere-mitglieder). Auch Duisburg ist dort Mitglied, auch wenn ich bisher keine entsprechenden Hinweise an den Ortsschildern von Duisburg entdeckt habe.

Aber auf der Seite der AGFS finden sich in einer Aufzählung ganz oben auf der Liste als Vorteile:

  • Auszeichnung als fußgänger- und fahrradfreundliche Kommune
  • Exklusiver Zugang zu Fördermitteln des Landes NRW

Neben der Auszeichnung also auch Fördergelder. Wenn das aber ohne weitere Vorraussetzung möglich ist, wäre doch sicherlich jede einzelne Kommune und jeder einzelne Kreis hier Mitglied? Und hier habe ich dann die Hinweise zur Mitgliedschaft gefunden (https://www.agfs-nrw.de/fileadmin/agfs-partner/Mitglied-werden/2022-01-Hinweise_zur_Aufnahme_in_die_AGFS.pdf). Die konkretesten Hinweise sind dann:

  • ein nahmobilitätsfreundliches Gesamtkonzept vorlegen,
  • innovative, effektive und unkonventionelle Wege zur Lösung von Verkehrsproblemen bevorzugen sowie
  • kommunalpolitisch deutliche Prioritäten für Nahmobilität setzen.

Immerhin ist Nahmobilität definiert: Unter Nahmobilität versteht
die AGFS alle Arten des nicht motorisierten Verkehrs
. Konkretere Informationen habe ich nicht finden können, immerhin müssen die Mitglieder Ausgaben für die Nahmobilität gezielt ausweisen. Alles in allem scheinen die Kriterien für die Aufnahme eher weich zu sein, da ja Fahrradfreundlichkeit gefördert werden soll wäre ein allzu hohe Hürde auch nicht sinnvoll. Trotzdem würde mich interessieren ob es ein Zielbild gibt, und ob da Wegweise, ausreichend breite Radwege, und auch Ampelschaltungen mit Berücksichtigung des Fahradverkehrs dazu gehören.

Für eine Inspiration kann ich nur immer wieder einen Blick in die Niederlande empfehlen. In vielen Punkten hat sich in den letzten Jahren ja auch einiges verbessert, bei Strassenerneuerungen wird auch immer ein Radweg mitgebaut. Da die Erneuerung aber gerne nur eine Kreuzung betrifft, kommt es immer wieder vor, dass Radwege plötzlich enden. Und Radwege werden eben immer nur ‚mit‘-gedacht. Die Führung der Radwege und wie man als Radfahrer dann oftmals links abbiegen soll ist vielerorts frustierend. In den meisten Fällen reicht der Platz kaum für zwei Fahrräder gleichzeitig an der Ampel.

Da auch Rheinberg, Duisburg, Krefeld, Mülheim etc Mitglieder der AGFS sind, werde ich auch alles was mir dort auffällt einfach hier mit aufführen.