In den Niederlanden ist gestern (Do, 21.07.2022) eine deutsche Familie bei einer Kanutour über das Veluwemeer verunglückt. Aktuell werden der Vater und eine der beiden Töchter noch vermisst, die Mutter ist verstorben. Es ist leider anzunehmen, das weder der Vater noch die zweite Tochter überlebt haben (Edit: Inzwischen gibt es die traurige Gewissheit, das beide verstorben sind). Eine echte Tragödie.
Da ich selbst gerne paddle, ist mir das Veluwemeer durchaus ein Begriff, bei unserem letzten Urlaub im April in den Niederlanden (genauer in Holland bei Amsterdam) haben wir zwar auf Boote verzichtet, vor allem aber weil starker Sturm mit Orkanböen angesagt war. Die Vorhersage ist auch eingetreten. Also kein Paddelwetter.
Veluwemeer ist eigentlich Empfehlung für Paddler
Man findet viele Empfehlungen für eine Paddeltour auf dem Veluwemeer etwa auf der Europarcs Seite (ein wahres Paradies für Wassersportler), oder in der Liste der besten Kanutouren in Gelderland, wo es zwar als Long Hard Paddel beschrieben, der Schwierigkeitsgrad aber mit Leicht angegeben. Auch auf der Seite Das andere Holland wird das Veluwemeer aufgeführt unter dem Untertitel ‚Wassersportparadies‘. Es wird aber nicht explizit vom Paddeln gesprochen.

Was verursachte den tödlichen Verlauf?
Nach den aktuellen Meldungen ist es unklar, was genau passiert ist. Ich habe zwar keine weiteren Informationen, kann aber ein paar Punkte ausschließen. Zum Unglückszeitpunkt gab es kein Unwetter. Es gab also weder starken Wind, noch Gewitter. Eigentlich gute Bedingungen zum Paddeln. Trotzdem muss man so nah an der Nordsee mit spürbarem Wind rechnen und ein Kanu/Kanadier ist recht empfindlich für Seitenwind. Auf dem Veluwemeer fahren auch schnellere Boote die auch Wellengang verursachen. Ob es der Wind war, ein vielleicht zu dicht vorbeifahrendes schnelleres Boot, eine Kombination aus beidem oder auch etwas anderes, das Kanu der Familie ist jedenfalls gekentert.
Aus der niederländische Presse geht hervor, dass das Veluwemeer nur in der Fahrrinne so tief ist, dass man nicht stehen kann (kann ich aber nicht prüfen), und auch das die Strömung sehr gering ist. Nur mit der geringen Strömung sind Rundtouren möglich. Die Wassertemperatur sollte jetzt bei 19-21 Grad liegen. Die Breite ist auch weniger als 3 km, zum Ufer können es also nicht mehr als 1,5 km gewesen sein. Für ungeübte Schwimmer kann das aber bereits zu weit sein. Das Eltern nach einer Kenterung sich zuerst um ihre Kinder kümmern und nicht den direkten Weg zum Ufer schwimmen ist auch sehr wahrscheinlich.
Ebenfalls der niederländischen Presse zu entnehmen ist dass die Familie keine Schwimmwesten (oder Schwimmhilfen) getragen hat. Ich vermute auch mal keine Wasserkleidung. Das kann bei Erschöpfung dazu führen, das man sich nicht mehr über Wasser halten kann, die Abkühlung vom Wasser trägt auch zu einer schnelleren Erschöpfung bei.
Meine Gedanken
Es bleibt zwar unklar, was das Unglück, bzw. die Kenterung ausgelöst hat, aber mit Schwimmwesten und Kleidung passend zum Wasser und den Wassertemperaturen wäre vermutlich ein tödlicher Ausgang zu vermeiden gewesen. Nicht umsonst gibt der DKV (und andere Paddelverbände) als Regeln aus
- Kleidung passend zum Wasser und nicht zum Wetter anziehen (also ganz sicher keine Baumwolle wie Jeans)
- Niemals ohne Schwimmweste/Schwimmhilfe paddeln (also auch nicht im Sommer!)
- Am besten nicht in einem einzigen Boot unterwegs sein
Ich habe auch schon mehr als einmal erlebt, dass Verleiher ihren Kunden/Gästen nahelegen, dass Schwimmwesten mind. für Erwachsene nicht erforderlich sind, manchmal auch dass Schwimmwesten für die geplante Tour sowieso nicht sinnvoll sind, weil noch nie etwas passiert ist.
Tragt trotzdem eine Schwimmweste, auch wenn keine Probleme erwartet werden! Wir schnallen uns im Auto auch an und haben einen Airbag, ohne dass jemand erwartet einen Unfall zu haben.
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